Im Kreis Unna soll die duale Ausbildung stärker ins Blickfeld rücken. Landrat Mario Löhr hat gemeinsam mit Kommunen, Arbeitsagentur, Jobcenter, Schulen, Kammern, Kreishandwerkerschaften und DGB eine neue Ausbildungsinitiative gestartet. Das Ziel ist klar: Vom Schuljahr 2026/27 bis 2035 soll die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich steigen.
Start in Lünen, später im ganzen Kreis
Die Initiative beginnt nicht sofort flächendeckend. Zunächst dient Lünen für ein Jahr als sogenannte Laborphase. Dort sollen Maßnahmen ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und die Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Schulen und Beratungsstellen enger verzahnt werden. Anschließend ist die Ausweitung auf den gesamten Kreis Unna vorgesehen – damit wird das Thema später auch für Kamen und die dortigen Betriebe und Schulen unmittelbar relevant.
Dieser Ansatz ist sinnvoller, als einfach eine weitere Kampagne zu starten und zu hoffen, dass sich Jugendliche schon irgendwie angesprochen fühlen. Wenn in einer Stadt konkret getestet wird, was funktioniert und was nicht, lässt sich ein kreisweites Modell später gezielter aufbauen.
Handwerk steht zunächst im Mittelpunkt
Der Schwerpunkt liegt zu Beginn bewusst auf dem Handwerk. Genannt werden unter anderem Elektrotechnik, Sanitär- und Heizungsbau, Bäcker- und Bauhandwerk. Gerade dort treffen zwei Probleme aufeinander: Viele Betriebe suchen Nachwuchs, gleichzeitig kennen Jugendliche die tatsächlichen Möglichkeiten einer Ausbildung oft nur oberflächlich.

Geplant sind deshalb nicht nur Aktivitäten an Schulen. Jugendliche und Eltern sollen auch über niedrigschwellige Kontakte und eine zielgruppengerechte Social-Media-Kampagne erreicht werden. Ausbildung soll dort sichtbar werden, wo junge Menschen ohnehin unterwegs sind.
Keine neue Behörde und kein zusätzlicher Geldtopf
Ein wichtiger Punkt in der Mitteilung des Kreises geht leicht unter: Für die Initiative sollen keine neuen Strukturen und keine zusätzlichen finanziellen Mittel geschaffen werden. Stattdessen wollen die beteiligten Institutionen vorhandene Angebote besser miteinander verbinden und gemeinsam weiterentwickeln.
Das kann ein Vorteil sein, weil im Übergang von Schule zu Beruf tatsächlich schon viele Beratungs- und Förderangebote existieren. Die entscheidende Frage ist weniger, ob noch ein weiteres Programm gebraucht wird, sondern ob Jugendliche, Eltern und Betriebe die bestehenden Angebote überhaupt zur richtigen Zeit erreichen.
Was das für Kamen bedeuten kann
Für Kamen ist die Lüner Testphase zunächst vor allem ein Blick in die Zukunft. Wenn das Modell nach einem Jahr wie angekündigt auf den gesamten Kreis ausgeweitet wird, könnten auch Kamener Schulen und Handwerksbetriebe von enger abgestimmten Kontakten profitieren. Besonders interessant wird dann sein, ob sich tatsächlich mehr Ausbildungsverträge abschließen lassen – denn genau daran muss sich die Initiative am Ende messen lassen.
Quelle: Kreis Unna – Startschuss für die Ausbildungsinitiative

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