Borussia Dortmund – Villarreal 3:2: Guirassy entscheidet einen wilden Champions-League-Abend

Serhou Guirassy am Ball im Trikot der guineischen Nationalmannschaft

Champions League in Dortmund, drei Punkte zum Auftakt – und am Ende trotzdem noch einmal Puls. Borussia Dortmund schlägt den FC Villarreal mit 3:2. Das Ergebnis erzählt aber nur die halbe Geschichte: Der BVB brauchte eine deutliche Steigerung nach der Pause, Serhou Guirassy war vorne Matchwinner und hinten unfreiwillig noch einmal Spannungsmacher.

Als BVB-Fan nehme ich diesen Sieg natürlich sehr gerne mit. Noch interessanter finde ich aber, wie er zustande kam. Denn dieser Abend hatte ziemlich viel von dem, was Borussia Dortmund so oft ausmacht: eine zähe Phase, einen Schreckmoment, plötzlich viel mehr Druck nach vorne, einen entscheidenden Mittelstürmer – und ganz am Schluss die obligatorischen Minuten, in denen man sich fragt, warum es eigentlich nie einfach gehen kann.

Das Spiel in 30 Sekunden

  • Endstand: Borussia Dortmund – FC Villarreal 3:2 (0:0)
  • Tore: 1:0 Renato Veiga (53., Eigentor), 1:1 Santiago Mouriño (66.), 2:1 Serhou Guirassy (80.), 3:1 Guirassy (85., Foulelfmeter), 3:2 Guirassy (90.+3, Eigentor)
  • Zuschauer: 77.500
  • Wettbewerb: 1. Spieltag der UEFA Champions League 2026/27

Borussia Dortmund gegen Villarreal: Erst zäh, dann deutlich besser

Villarreal erwischte den besseren Start. Dortmund hatte zwar mehr vom Ball, entwickelte daraus zunächst aber zu wenig Gefahr. Die Spanier kamen früh zu brauchbaren Situationen, während beim BVB im letzten Drittel vieles noch zu langsam und vorhersehbar wirkte. Guirassy verpasste eine Hereingabe von Maximilian Beier knapp – viel mehr klare Dortmunder Gefahr gab es zunächst nicht.

Das Problem war für mich weniger der Ballbesitz als das Tempo der Angriffe. Villarreal konnte sich häufig rechtzeitig sortieren, weil der BVB zu selten mit dem ersten oder zweiten Kontakt in die Tiefe kam. Die Abstände zwischen Mittelfeld und Angriff waren phasenweise groß, Guirassy hing dadurch öfter in der Luft. Gegen einen technisch guten Gegner aus Spanien reicht es eben nicht, den Ball nur kontrolliert laufen zu lassen.

Der unangenehmste Moment der ersten Hälfte hatte mit Fußball allerdings nur am Rande zu tun. Konstantinos Karetsas musste bereits in der 27. Minute wegen Kreislaufproblemen vom Platz getragen und anschließend im Krankenhaus untersucht werden. Nach Vereinsangaben ging es ihm den Umständen entsprechend gut. Für mich ist das der Punkt, bei dem das Ergebnis kurz zweitrangig wird. Hoffentlich ist bei ihm schnell wieder alles vollständig in Ordnung.

Für Karetsas kam Ethan Nwaneri – und der 19-Jährige war sofort präsent. Er suchte Abschlüsse, brachte Tempo in die Aktionen und traf nach der Pause mit einem abgefälschten Schuss sogar den Pfosten. Aus einer ungeplanten frühen Einwechslung wurde damit eine echte Belebung des Dortmunder Offensivspiels.

Die zweite Hälfte: Mehr Tempo, mehr Tiefe, mehr BVB

Nach dem Seitenwechsel wirkte Dortmund deutlich zielstrebiger. In der 53. Minute zahlte sich der höhere Druck aus: Beier spielte scharf in den Strafraum, Renato Veiga bekam den Ball nicht sauber geklärt und beförderte ihn ins eigene Tor. Das 1:0 war zwar offiziell ein Eigentor, entstand aber genau aus der Art von Aktion, die dem BVB vor der Pause gefehlt hatte: mit Tempo in den Strafraum, den Gegner unter Entscheidungsdruck setzen und nicht noch einmal querlegen.

Dass die Partie damit nicht erledigt war, zeigte Villarreal nur 13 Minuten später. Nach einer Ecke köpfte Santiago Mouriño zum 1:1 ein. Das war ärgerlich, weil Dortmund zu diesem Zeitpunkt eigentlich besser im Spiel war. Gleichzeitig gefiel mir die Reaktion darauf: Der BVB fiel nicht in die Passivität zurück, sondern erhöhte wieder die Schlagzahl.

Warum Dortmund nach der Pause gefährlicher wurde

Für mich waren drei Dinge entscheidend. Erstens spielte Dortmund vertikaler und kam schneller in den gegnerischen Strafraum. Zweitens sorgte Nwaneri zwischen den Linien für mehr Unruhe. Und drittens wurden die Außenpositionen konsequenter genutzt: Wenn Beier oder Ryerson den Ball mit Tempo nach vorne trugen, musste Villarreal seine kompakte Ordnung häufiger aufgeben.

Das lässt sich auch an den Spieldaten ablesen. Dortmund kam insgesamt auf 28 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, Villarreal nur auf 14. Der BVB hatte also nicht bloß etwas mehr Ballbesitz, sondern brachte den Ball im Laufe des Abends deutlich häufiger in die gefährlichen Räume.

Kovacs Doppelwechsel zahlt sich sofort aus

In der 75. Minute brachte Niko Kovac Jobe Bellingham und Fábio Silva für Marcel Sabitzer und Felix Nmecha. Fünf Minuten später war Fábio Silva bereits direkt am 2:1 beteiligt: Seine Vorlage verwertete Guirassy zur erneuten Führung. Genau solche Wechsel wünscht man sich als Fan – nicht nur frische Beine, sondern einen unmittelbaren Effekt auf das Spiel.

Guirassy legte in der 85. Minute per Foulelfmeter das 3:1 nach. Eigentlich hätte das der ruhige Schlusspunkt sein können. Eigentlich. In der dritten Minute der Nachspielzeit lenkte ausgerechnet der doppelte Torschütze einen Villarreal-Freistoß ins eigene Tor. Zwei Tore vorne, ein Eigentor hinten – so einen persönlichen Spielbericht produziert wahrscheinlich auch nur ein Mittelstürmer. Zum Glück blieb es beim 3:2.

Die Zahlen sprechen für einen verdienten Dortmunder Sieg

StatistikBorussia DortmundVillarreal
Ballbesitz52 %48 %
Expected Goals (xG)2,831,34
Abschlüsse1813
Ballkontakte im gegnerischen Strafraum2814
Spieldaten laut FotMob/Opta.

Gerade die xG-Werte passen zu meinem Eindruck vom Gesamtbild: Dortmund war nicht über 90 Minuten die bessere Mannschaft, hat sich den Sieg aber durch die Steigerung nach der Pause verdient. Villarreal hatte vor allem zu Beginn gute Phasen und blieb bei Standards gefährlich. Über die gesamte Partie produzierte der BVB jedoch mehr und bessere Abschlusssituationen.

Meine BVB-Analyse: Was mir gefallen hat – und was noch nicht

Das war stark

  • Guirassys Präsenz: Er muss nicht 90 Minuten spektakulär aussehen, um ein Spiel zu entscheiden. Zwei Tore sprechen für sich.
  • Die Reaktion nach der Pause: Dortmund wurde schneller, direkter und konsequenter.
  • Nwaneris Auftritt: Ungeplant früh im Spiel und trotzdem sofort mutig.
  • Kovacs Wechsel: Fábio Silva kommt und bereitet fünf Minuten später das wichtige 2:1 vor.
  • Kobel: Gerade in Villarreals besseren Phasen war auf ihn Verlass.

Das muss besser werden

  • Die erste Hälfte: Viel Ballbesitz allein bringt nichts, wenn Tempo und Durchschlagskraft fehlen.
  • Standards verteidigen: Das 1:1 nach einer Ecke war vermeidbar, das 3:2 fiel nach einem Freistoß.
  • Spiele sauber schließen: Ein 3:1 in der Schlussphase darf nicht noch einmal unnötig hektisch werden.
  • Konstanz: Die gute zweite Hälfte sollte künftig nicht erst eine zähe erste benötigen.

Die BVB-Startelf gegen Villarreal

System: 3-4-2-1

Tor: Gregor Kobel

Dreierkette: Joane Gadou – Waldemar Anton – Daniel Svensson

Mittelfeld/Schienen: Julian Ryerson – Joey Veerman – Felix Nmecha – Maximilian Beier

Offensive: Konstantinos Karetsas – Marcel Sabitzer

Sturm: Serhou Guirassy

Ein paar Gesichter aus der Dortmunder Startelf: Die folgenden Fotos sind frei lizenziert und stammen aus früheren Spielen beziehungsweise Nationalmannschaftseinsätzen. Aktuelle Agenturbilder vom heutigen Abend verwende ich bewusst nicht ohne gesicherte Nutzungsrechte.

Guirassy: Matchwinner mit einer sehr speziellen Schlussnote

Wenn man dieses Spiel auf einen Spieler herunterbrechen will, kommt man an Guirassy nicht vorbei. Zwei Treffer, darunter ein sicher verwandelter Elfmeter, dazu das Eigentor in der Nachspielzeit. Die Bewertung bei FotMob fiel mit 8,2 trotzdem deutlich zugunsten seiner Leistung aus – und das passt. Er war der entscheidende Mann.

Was ich an ihm besonders schätze: Er braucht nicht ständig den Ball. Er braucht die entscheidenden Situationen. Genau deshalb ist ein Stürmer dieser Qualität für Dortmund so wichtig. Wenn Spiele eng werden, kann er aus einer guten Aktion einen Sieg machen. Dass ihm ausgerechnet am Ende noch der Ball zum Eigentor über den Kopf rutscht, passt fast schon zu diesem verrückten Abend.

Mein BVB-Fazit: Kein perfekter Abend, aber ein guter Champions-League-Auftakt. Dortmund hat Probleme gehabt, darauf reagiert und die Partie verdient gezogen. Genau solche Spiele muss man in der Ligaphase gewinnen.

Vierter Pflichtspielsieg in Serie – aber bitte nicht jedes Mal so spannend

Vor dem Spiel hatte der BVB den wettbewerbsübergreifend vierten Pflichtspielsieg in Serie angepeilt – und genau der ist es geworden. Nach dem Pokalerfolg sowie den Bundesligasiegen gegen den HSV und in Hoffenheim ist nun auch der Auftakt in Europa gelungen. Sportlich kann man mit diesem Saisonstart wirklich zufrieden sein.

Gleichzeitig zeigt das 3:2 gegen Villarreal, dass noch Arbeit wartet. Vor allem die schwächere Anfangsphase und die beiden Gegentore nach ruhenden Bällen sind Punkte, die Kovac mitnehmen dürfte. Gegen stärkere Gegner kann eine solche erste Hälfte deutlich härter bestraft werden.

Als BVB-Fan will ich aber auch nicht so tun, als müsse jeder Sieg klinisch sauber aussehen. Champions League, Flutlicht, ein unangenehmer Gegner aus Spanien, fünf Tore und am Ende drei Punkte: Es gibt schlechtere Dienstagabende. Nur das mit dem Puls in der Nachspielzeit könnten wir beim nächsten Mal vielleicht weglassen.

Wie hast du den BVB gesehen? War die zweite Hälfte für dich schon ein echter Schritt nach vorn – oder ärgert dich mehr, dass Dortmund nach dem 3:1 wieder unnötig Spannung zugelassen hat?


FAQ zum Spiel Borussia Dortmund – Villarreal

Wie endete Borussia Dortmund gegen Villarreal?

Borussia Dortmund gewann am 8. September 2026 zum Auftakt der Champions-League-Ligaphase mit 3:2 gegen den FC Villarreal.

Wer erzielte die Tore für den BVB?

Renato Veiga brachte Dortmund per Eigentor in Führung. Serhou Guirassy erzielte anschließend zwei Dortmunder Treffer, den zweiten davon per Foulelfmeter. In der Nachspielzeit unterlief Guirassy zudem ein Eigentor zum 3:2.

Warum wurde Konstantinos Karetsas ausgewechselt?

Karetsas musste in der ersten Hälfte wegen Kreislaufproblemen vom Platz getragen und im Krankenhaus untersucht werden. Nach Angaben des Vereins ging es ihm den Umständen entsprechend gut.

War der Dortmunder Sieg verdient?

Nach den Spieldaten ja: Dortmund lag bei den Expected Goals mit 2,83 zu 1,34 vorne, hatte 18 zu 13 Abschlüsse und 28 zu 14 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Villarreal war vor allem in der ersten Hälfte gefährlich, Dortmund steigerte sich danach deutlich.

Quellen und Spieldaten

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Stefan Jäkel
Datenschutz & Cookies

Hier entscheidest du, ob optionale Cookies und die vollständige Analyse durch Google Analytics zugelassen werden. Im erweiterten Consent Mode können bereits vor deiner Zustimmung cookielose Einwilligungs- und Messsignale an Google übertragen werden; Analytics-Cookies und vollständige Messdaten werden erst nach deiner Einwilligung verwendet.