Jürgen Klopps erstes Heimspiel als Bundestrainer endet mit einem ernüchternden 0:1 gegen Griechenland. Deutschland hatte in Augsburg mehr vom Spiel und mehrere gute Möglichkeiten, fand gegen den tiefen griechischen Block aber zu selten klare Lösungen. In der 74. Minute entschied ein abgefälschter Schuss von Dimitris Kourbelis die Partie – und machte aus einem zähen Abend den ersten echten Dämpfer der noch jungen Klopp-Ära.
Vier Tage nach dem 1:1 bei den Niederlanden sollte in Augsburg der erste Sieg unter Klopp folgen. Stattdessen steht Deutschland nach zwei Nations-League-Spielen bei nur einem Punkt. Das Ergebnis ist ärgerlich, aber vor allem die Art und Weise ist interessant: Gegen einen Gegner, der tief verteidigte, Räume verdichtete und geduldig auf Umschaltmomente wartete, fehlten Tempo, Präzision und Kreativität über weite Strecken.
Das Spiel in Kürze
- Endstand: Deutschland – Griechenland 0:1
- Tor: 0:1 Dimitris Kourbelis (74.)
- Wettbewerb: UEFA Nations League, Liga A, Gruppe 2
- Spielort: WWK Arena in Augsburg
- Besonderheit: erstes Heimspiel von Jürgen Klopp als Bundestrainer
- Debüts: Bambasé Conté in der Startelf, Hennes Behrens nach Einwechslung
Klopp rotiert auf fünf Positionen
Im Vergleich zum 1:1 in Amsterdam veränderte Klopp seine Startelf auf fünf Positionen. Alexander Nübel begann im Tor für Marc-André ter Stegen. In der Abwehr rückten Yann Aurel Bisseck und Josha Vagnoman neu ins Team, im offensiven Mittelfeld bekam Bambasé Conté direkt bei seinem Debüt die Chance von Beginn an. Im Sturmzentrum startete Younes Ebnoutalib für den verletzten Kai Havertz.
Die deutsche Startelf lautete: Nübel – Bisseck, Tah, Vagnoman, Brown – Kimmich, Nmecha – Adeyemi, Conté, Schade – Ebnoutalib. Schon daran war zu erkennen, dass Klopp diese frühen Nations-League-Spiele auch zum Testen nutzen will. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigte der Abend, wie schwer es ist, mit vielen neuen Konstellationen gegen einen sehr kompakten Gegner Automatismen zu entwickeln.
Griechenlands Plan funktioniert von Beginn an
Griechenland machte das Spielfeld bei deutschem Ballbesitz eng, zog sich meist hinter die Mittellinie zurück und bot Deutschland nur wenig Raum zwischen den Linien. Die Gäste wollten keine offene Partie. Sie wollten Deutschland den Ball überlassen, die Mitte schließen und nach Ballgewinnen schnell umschalten.
Genau das bereitete der deutschen Mannschaft Probleme. Es gab viel Ballbesitz in ungefährlichen Zonen, aber zu wenige Läufe hinter die Abwehr, zu wenige schnelle Positionswechsel und zu wenig Überraschendes rund um den Strafraum. Joshua Kimmich und Felix Nmecha versuchten, das Spiel zu lenken, doch Griechenland verschob diszipliniert und zwang Deutschland immer wieder zu Pässen quer vor dem gegnerischen Block.
Adeyemi hat die besten Chancen vor der Pause
Die erste Halbzeit war nicht chancenlos, aber sie zeigte das Grundproblem sehr deutlich. Karim Adeyemi hatte zwei der besten deutschen Möglichkeiten. In der 27. Minute lief er nach einem Konter frei auf das Tor zu, setzte seinen Abschluss aber über den Kasten. Wenige Minuten später scheiterte er nach einer Ecke am griechischen Torhüter Konstantinos Tzolakis.
Auch Younes Ebnoutalib kam in aussichtsreiche Situationen, ohne daraus einen Treffer zu machen. Deutschland wurde dann gefährlich, wenn das Spiel einmal schnell wurde. Genau diese Momente gab es aber zu selten. Im geordneten Angriff fehlte die Idee, wie sich die tief stehende griechische Abwehr auseinanderziehen lässt.
Nach der Pause wird Deutschland stärker
Die beste deutsche Phase kam direkt nach dem Seitenwechsel. Conté zwang Tzolakis mit einem Flachschuss zur Parade, Ebnoutalib hatte kurz darauf zwei weitere Möglichkeiten und Kimmich scheiterte mit einem Freistoß am starken griechischen Torhüter. In dieser Phase war deutlich mehr Bewegung im deutschen Spiel, die Abstände wurden besser und der Druck nahm zu.
Das war wahrscheinlich genau jene Phase, die Klopp nach dem Spiel meinte, als er davon sprach, dass die Abläufe nach der Pause zeitweise stimmten. Das Problem: Deutschland hielt dieses Niveau nicht lange genug. Nach rund einer Stunde wurde das Spiel wieder statischer, und Griechenland bekam mehr Möglichkeiten für eigene Konter.
Die Warnung in der 67. Minute – und der Treffer in der 74.
Sieben Minuten vor dem entscheidenden Tor hatte Deutschland bereits Glück. Nach einem Ballverlust kam Fotis Ioannidis frei vor Alexander Nübel zum Abschluss, setzte den Ball aber am Tor vorbei. Spätestens da war klar: Wer gegen einen tief stehenden Gegner immer mehr Risiko eingeht, muss seine Restverteidigung sauber organisieren.
In der 74. Minute passierte dann genau das, was Griechenland den ganzen Abend gesucht hatte. Dimitris Kourbelis kam zum Abschluss, sein Schuss wurde abgefälscht und war für Nübel nicht mehr zu halten. Das 0:1 war aus deutscher Sicht unglücklich in der Entstehung – aber keineswegs völlig aus dem Nichts.
Klopp reagierte sofort und brachte Serge Gnabry für Adeyemi. Zuvor waren bereits Jonathan Burkardt und Florian Wirtz ins Spiel gekommen. Später folgten Anton Stach und Debütant Hennes Behrens. Deutschland warf noch einmal viel nach vorne, doch die griechische Defensive hielt stand.
Warum Deutschland an Griechenland scheiterte
Die Niederlage lässt sich nicht auf einen einzelnen Fehler reduzieren. Es waren mehrere Dinge, die zusammenkamen.
- Zu wenig Tempo im Positionsspiel: Griechenland konnte häufig in Ruhe verschieben, weil der Ball nicht schnell genug durch die deutschen Reihen lief.
- Zu wenig Bewegung zwischen den Linien: Deutschland hatte Probleme, Spieler hinter dem griechischen Mittelfeldblock frei zu bekommen.
- Die Chancen wurden nicht genutzt: Adeyemi, Conté, Ebnoutalib und Kimmich hatten Möglichkeiten, der Ball ging aber nicht ins Tor.
- Mehr Risiko öffnete Räume: Je länger es 0:0 stand, desto offensiver wurde Deutschland – und desto gefährlicher wurden griechische Umschaltmomente.
- Viele neue Konstellationen: Fünf Wechsel in der Startelf und mehrere Debütanten sind sinnvoll für Klopps Kaderanalyse, kosten aber gerade gegen einen tiefen Block Automatismen.
Klopp übernimmt die Verantwortung
Nach dem Spiel machte Klopp aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl. Die vielen Wechsel in der Aufstellung nahm er ausdrücklich auf seine Kappe. Seine Kernaussage war deutlich: Ein solches Spiel müsse man nicht zwingend gewinnen – verlieren dürfe man es aber nicht.
Auch Joshua Kimmich benannte ein Problem, das über weite Strecken sichtbar war: Deutschland sei im Spiel nach vorne insgesamt zu statisch gewesen. Jonathan Tah und Alexander Nübel verwiesen ebenfalls darauf, dass aus dem vielen Ballbesitz zu wenig echte Gefahr im Strafraum entstand.
Diese Aussagen passen zum Spielbild. Deutschland war nicht chancenlos und auch nicht klar unterlegen. Aber die Mannschaft schaffte es nicht, aus ihrer optischen Überlegenheit genügend zwingende Aktionen zu entwickeln. Und genau das ist gegen kompakte Gegner oft der entscheidende Unterschied.
Bambasé Conté: ordentliches Debüt in schwierigem Spiel
Für Bambasé Conté war der Abend trotz der Niederlage besonders. Klopp stellte ihn bei seinem ersten A-Länderspiel direkt in die Startelf. Der Debütant suchte Abschlüsse, war beweglich und hatte kurz nach der Pause eine gute Möglichkeit. Natürlich war nicht alles sauber, aber in einem Spiel, in dem die gesamte deutsche Offensive Mühe hatte, fiel er keineswegs negativ ab.
Auch Hennes Behrens kam in der Schlussphase zu seinem Debüt. Dass Klopp bereits in seinen ersten beiden Spielen mehrere neue Spieler testet, ist Teil seines Ansatzes. Er will offenbar schnell herausfinden, welche Profile zu seiner Idee passen – und nimmt dafür kurzfristig auch Reibungsverluste in Kauf.
Die Tabelle: Deutschland steht früh unter Druck
| Platz | Team | Spiele | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1. | Griechenland | 2 | 3:1 | 6 |
| 2. | Niederlande | 2 | 3:2 | 4 |
| 3. | Deutschland | 2 | 1:2 | 1 |
| 4. | Serbien | 2 | 2:4 | 0 |
Nach zwei Spieltagen führt Griechenland die Gruppe mit sechs Punkten an. Die Niederlande folgen mit vier Punkten, Deutschland hat nur einen Zähler. Das ist noch keine dramatische Situation, weil vier Gruppenspiele ausstehen. Aber die Mannschaft hat sich selbst unter Zugzwang gebracht. Die beiden besten Teams der Gruppe qualifizieren sich für die nächste Phase.
Jetzt kommt Serbien – danach sofort das Rückspiel in Griechenland
Viel Zeit für lange Analysen bleibt nicht. Bereits am 1. Oktober um 20.45 Uhr spielt Deutschland in München gegen Serbien. Drei Tage später, am 4. Oktober um 20.45 Uhr, folgt in Thessaloniki schon das Rückspiel gegen Griechenland.
Gerade dieses Rückspiel wird besonders spannend. Klopp bekommt innerhalb einer Woche zweimal denselben Gegner. Er kann also sehr direkt zeigen, welche Lösungen seine Mannschaft aus der Augsburger Niederlage entwickelt. Gegen Serbien dürfte zunächst vor allem wichtig sein, wieder mehr Tempo und Klarheit in die Offensive zu bekommen.
Mein Fazit: Kein Grund für Panik – aber ein nützlicher Warnschuss
Das 0:1 gegen Griechenland ist ein Dämpfer, aber noch kein Grund, Klopps Start grundsätzlich infrage zu stellen. Nach gerade einmal einer Woche gemeinsamer Arbeit kann eine Mannschaft gegen einen tief stehenden, disziplinierten Gegner noch nicht alle Abläufe perfekt beherrschen.
Trotzdem darf man die Probleme nicht kleinreden. Deutschland hatte genug Phasen, in denen mehr möglich gewesen wäre. Die Mannschaft spielte zu oft vor statt durch den griechischen Block, nutzte ihre besten Chancen nicht und verlor in einer Phase die Kontrolle, in der eigentlich Geduld gefragt gewesen wäre.
Vielleicht ist diese Niederlage deshalb sogar lehrreicher als ein mühsames 1:0 gewesen wäre. Gegen die Niederlande zeigte Deutschland, dass Klopps vertikaler Fußball und das Tempo im Umschalten funktionieren können. Gegen Griechenland zeigte sich nun die andere Seite: Was passiert, wenn der Gegner genau diese Räume nicht anbietet?
Die nächste Aufgabe ist damit klar. Deutschland muss nicht nur schnell spielen können, sondern auch geduldig, variabel und präzise gegen einen tiefen Block. Schon in wenigen Tagen gibt es die nächste Gelegenheit zu zeigen, wie schnell Klopp und seine Mannschaft lernen.


Schreibe einen Kommentar