Idiocracy: Ich lache über diesen Film. Und frage mich, wie lange noch.

Leuchtreklamen und große digitale Werbeflächen am Times Square in New York – Symbolbild zum Film Idiocracy

Da steht ein Mann vor einem völlig verdorrten Feld und versucht, anderen Menschen zu erklären, dass Pflanzen Wasser brauchen. Normales Wasser. Keine Limonade, keinen Energydrink, keine Elektrolyte. Und alle halten ihn für verrückt. Ich muss bei dieser Szene aus Idiocracy jedes Mal grinsen. Allerdings bleibt mir dieses Grinsen inzwischen manchmal ein bisschen im Hals stecken.

Ich finde diesen Film großartig. Nicht, weil ich ernsthaft glaube, dass die Menschheit im Jahr 2505 genauso herumlaufen wird wie bei Mike Judge. Sondern weil er eine unangenehme Frage mit herrlich bescheuertem Humor stellt: Was passiert eigentlich mit einer Gesellschaft, in der sich niemand mehr die Mühe macht, Dinge zu verstehen?

2006 war das eine völlig überdrehte Komödie. Zwanzig Jahre später schaue ich auf soziale Netzwerke, amerikanische Politik und vor allem auf unseren Umgang mit künstlicher Intelligenz und denke: So weit hergeholt war das vielleicht gar nicht.

Ein ganz durchschnittlicher Mann wird plötzlich zum Genie

Die Geschichte ist herrlich einfach. Joe Bauers, gespielt von Luke Wilson, ist ein Soldat ohne besondere Talente. Er gilt als so durchschnittlich, dass das Militär ihn für ein Experiment auswählt: Er und Rita (Maya Rudolph) sollen für ein Jahr eingefroren werden. Natürlich geht alles schief. Als Joe aufwacht, sind 500 Jahre vergangen. Wir schreiben das Jahr 2505 – und ausgerechnet Joe ist nun der klügste Mensch weit und breit.

Die Menschen um ihn herum verstehen einfache Zusammenhänge nicht mehr. Werbung hat sich in jeden Lebensbereich gefressen. Der Staat wirkt wie eine Mischung aus Wrestling-Show, Werbeveranstaltung und schlecht organisierter Kneipe. Und auf den Feldern verdorrt die Ernte, weil statt Wasser das Sportgetränk Brawndo aus den Leitungen kommt. Der Grund ist so schön idiotisch, dass er schon wieder genial ist: Man hat den Leuten eingetrichtert, Elektrolyte seien das, was Pflanzen brauchen. Was Elektrolyte überhaupt sind? Interessiert keinen.

Natürlich übertreibt der Film maßlos. Auch seine Eingangsidee, fehlende Intelligenz lasse sich über die Zahl der Kinder erklären, ist wissenschaftlich keine überzeugende Erklärung gesellschaftlicher Entwicklungen. Für mich liegt seine eigentliche Stärke ohnehin woanders: im Spott über Gedankenlosigkeit, Werbung, Bequemlichkeit und die erstaunliche Sicherheit, mit der Menschen Unsinn vertreten können.

Die Sache mit den Crocs ist wirklich passiert

Eine meiner liebsten Geschichten über die Dreharbeiten betrifft die Schuhe. Die Kostümbildnerin Debra McGuire brauchte für die Bewohner der Zukunft etwas, das billig und vollkommen absurd aussieht. Sie zeigte Regisseur Mike Judge die Kunststoffschuhe einer damals noch jungen Firma: Crocs. Löcher im Plastik, klobige Form, eigentlich das perfekte Schuhwerk für eine komisch heruntergekommene Zukunft.

Judge fand die Idee passend – hatte aber einen Einwand. Was, wenn diese Schuhe bis zum Kinostart beliebt werden? McGuire hielt das für ausgeschlossen. Niemand würde freiwillig mit so etwas herumlaufen. Nun ja. Als Idiocracy 2006 ins Kino kam, waren Crocs bereits auf dem Weg zum Massenphänomen. In einem Interview mit dem New Yorker erzählte Judge später selbst von dieser verunglückten Zukunftsprognose.

Ein Paar schwarze Crocs-Kunststoffschuhe mit den charakteristischen Löchern
Eigentlich sollten Crocs in „Idiocracy“ wie lächerliche Zukunftsschuhe aussehen. Dann wurden sie ein Erfolg. Foto: Skyeyemx / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (für die Website skaliert und komprimiert).

Dass ausgerechnet dieses Detail fast sofort Realität wurde, macht die Geschichte so schön. Wobei ich fair bleiben muss: Nur weil Crocs beliebt sind, sind ihre Träger natürlich nicht dumm. Man kann die Schuhe bequem finden. Man darf sie sogar schön finden. Ich persönlich liebe nur die Ironie daran, dass das Kostümteam das Gegenteil erwartet hatte.

Brawndo: Erst eine Katastrophe im Film, dann ein echtes Getränk

Mindestens genauso absurd ist die Geschichte mit Brawndo. Im Film ist das grüne Getränk praktisch überall. Die Werbung verspricht großspurig, es enthalte das, wonach Pflanzen angeblich verlangen. Also kippt man es auch auf die Felder. Die Ernte geht zugrunde, aber niemand kommt auf die Idee, den Werbespruch infrage zu stellen.

Und jetzt kommt der beste Teil: Brawndo wurde anschließend tatsächlich als echtes Getränk vermarktet. 2007 brachte ein Unternehmen eine lizenzierte Version auf den Markt. Eine Satire über den blinden Glauben an Marken wurde also selbst zum Markenprodukt. Nachzulesen unter anderem in einem Bericht von Fast Company. Man könnte meinen, ein Drehbuchautor habe sich hier selbst übertroffen. Aber nein, das war das wirkliche Leben.

Auch die übrige Welt des Films ist voll mit solchen kleinen Gemeinheiten. Der Außenminister macht Werbung für Carl’s Jr. Ein gigantischer Costco-Markt wirkt eher wie eine eigene Stadt. Starbucks bietet im Film Dienstleistungen an, die mit Kaffee herzlich wenig zu tun haben. Und im Kino läuft ein Film namens Ass, der seinem Publikum vor allem einen nackten Hintern zeigt. Die Leute lachen Tränen.

Besonders schön: Für die Kinosequenz wurde dieser Unsinn wirklich gedreht. Wie Beteiligte in der mündlichen Filmgeschichte bei Inverse erzählen, sorgte allein der entsprechende Schriftzug am Kino während der Dreharbeiten für aufgeregte Anrufe. Und für das im Film vorkommende Furzmuseum musste das Team einem echten Museum erklären, welches Schild es anbringen wollte. Es ist erstaunlich, wie viel Mühe man sich geben muss, um eine möglichst dumme Welt glaubwürdig aussehen zu lassen.

Amerika hat seinen Show-Präsidenten nicht erst im Jahr 2505 bekommen

Dann ist da Präsident Dwayne Elizondo Mountain Dew Herbert Camacho, gespielt von Terry Crews. Ein früherer Wrestler und Pornodarsteller, der das Land lieber mit Gebrüll, Showeinlagen und markigen Sprüchen regiert. Die Szene, in der politische Verantwortung zur Massenunterhaltung wird, gehört für mich zu den bittersten Treffern des Films.

Die Parallele zu Donald Trump liegt auf der Hand – nicht, weil Camacho und Trump identisch wären oder weil damit etwas über die Intelligenz eines Politikers bewiesen wäre. Sondern wegen der engen Verbindung von Politik, Prominenz, Fernsehunterhaltung und der Inszenierung einer starken Figur. Trump war vor seiner politischen Karriere Reality-TV-Star. Und tatsächlich wurde er 2013 in die WWE Hall of Fame aufgenommen. Sein bekanntester Wrestling-Auftritt drehte sich um eine Wette, bei der dem Verlierer die Haare abrasiert wurden. Da braucht es als Filmfan schon ein gewisses Talent, nicht unwillkürlich an Camacho zu denken.

Einen Unterschied sollte man aber nicht vergessen: Im Film ist die Überzeichnung der Witz. In der Realität geht es um politische Entscheidungen mit echten Folgen. Die amerikanische Demokratie ist auch weit komplexer als eine Wrestling-Arena. Trotzdem beschäftigt mich, wie sehr sich politische Kommunikation inzwischen auf Bilder, Empörung, kurze Sprüche und das nächste virale Video konzentrieren kann. Wer die überzeugendste Show liefert, bekommt Aufmerksamkeit. Ob eine Aussage stimmt, muss sich oft erst hinterher herausstellen.

Das ist keineswegs nur ein amerikanisches Problem. Aber Amerika liefert dafür besonders auffällige Bilder – und genau dort hat Judge seinen Film angesiedelt. Laut Pew Research Center bezogen 2025 bereits 53 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung zumindest gelegentlich Nachrichten über soziale Medien. Bei TikTok stieg der Anteil der Erwachsenen, die dort regelmäßig Nachrichten konsumieren, von 3 Prozent im Jahr 2020 auf 20 Prozent im Jahr 2025. Das macht Menschen nicht automatisch uninformiert. Es verändert aber, wie Informationen bei ihnen ankommen: Zwischen Unterhaltung, Werbung und dem nächsten Wisch mit dem Finger.

Und dann kam KI. Dafür brauchte Mike Judge nicht einmal eine Fortsetzung.

Wenn ich heute über Idiocracy nachdenke, lande ich fast zwangsläufig bei künstlicher Intelligenz. Sie kann unglaublich nützlich sein. Sie hilft beim Recherchieren, Übersetzen, Programmieren, Lernen und bei Dingen, für die früher stundenlange Arbeit nötig war. Auch ich würde die Technik nicht pauschal verteufeln.

Aber sie hat eine Schattenseite, über die mir noch viel zu wenig gesprochen wird: Wenn ich mir jede Erklärung fertig servieren lasse, jeden Text schreiben lasse und selbst einfache Entscheidungen an ein System abgebe, wann beschäftige ich mich dann eigentlich noch wirklich mit einer Sache? Wann lerne ich, einen Fehler zu erkennen? Und was passiert, wenn die fertige Antwort überzeugend klingt, aber Unsinn ist?

Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung von Forschenden der Carnegie Mellon University und Microsoft Research hat 319 Wissensarbeiter zu ihrem KI-Einsatz befragt. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang: Wer großes Vertrauen in die KI hatte, berichtete von weniger eigenem kritischem Denken bei den unterstützten Aufgaben. Das ist kein Beweis dafür, dass KI den IQ senkt. Und es ist auch keine Langzeitstudie. Es ist aber ein Hinweis darauf, warum die Frage nach geistiger Bequemlichkeit berechtigt ist.

Besonders absurd finde ich den Gedanken, dass eine KI in wenigen Sekunden eine vollkommen falsche Behauptung wunderbar formulieren kann – und dieselbe Behauptung anschließend von Menschen geteilt wird, die sich nicht einmal die Quellen ansehen. Wir entwickeln Maschinen, die uns helfen könnten, mehr zu verstehen. Und nutzen sie womöglich gerade dafür, das Verstehen abzukürzen.

Noch eine fast unglaubliche Hintergrundgeschichte passt dazu. In einer frühen Drehbuchfassung von Idiocracy gab es Camacho überhaupt nicht. Das Land sollte von einem nervigen KI-Betriebssystem regiert werden. Mike Judge erzählte das selbst in der Entstehungsgeschichte bei Inverse. Er änderte die Idee, weil eine menschliche Figur für die Komödie besser funktionierte. Aus heutiger Sicht ist allein diese verworfene Idee einen zweiten Film wert.

Werden die Menschen wirklich dümmer? So einfach ist es nicht.

Einen unbequemen Fakt gibt es allerdings. Die US-Bildungsstatistikbehörde NCES hat 2024 Ergebnisse einer internationalen Erwachsenenstudie veröffentlicht: Zwischen 2017 und 2023 stieg der Anteil der 16- bis 65-Jährigen in den USA mit besonders niedrigen Lesekompetenzen von 19 auf 28 Prozent. Auch bei mathematischen Grundkompetenzen verschlechterte sich die Lage. Das sind Zahlen, über die man reden muss. Die Behörde weist aber selbst auf methodische Unterschiede und Grenzen der Vergleichbarkeit hin. Vor allem sagen solche Tests nichts darüber aus, ob eine ganze Bevölkerung genetisch „dümmer“ wird. Sie messen bestimmte Fähigkeiten, nicht den Wert oder die Intelligenz von Menschen. Die Originaldaten des NCES sind öffentlich zugänglich.

Ich glaube ohnehin, dass wir zwei verschiedene Dinge auseinanderhalten müssen: Intelligenz und die Bereitschaft, sie zu benutzen. Der klügste Mensch nützt sich und anderen wenig, wenn er jede Behauptung ungeprüft übernimmt. Umgekehrt kann jemand ohne akademischen Abschluss ausgezeichnet beobachten, nachfragen, lernen und vernünftige Entscheidungen treffen.

Genau deshalb ist Joe Bauers für mich so eine gute Hauptfigur. Er ist eben kein Wunderkind. Er hört zu, erkennt ein Problem und probiert, es mit gesundem Menschenverstand zu lösen. Das ist in der Welt von Idiocracy schon eine revolutionäre Leistung.

Das eigentlich Unheimliche an diesem Film

Ein letztes Kuriosum gehört noch dazu: Idiocracy selbst wurde 2006 kaum beworben und in den USA nur sehr begrenzt ins Kino gebracht. Laut Box Office Mojo lief er zum Start in gerade einmal 130 Kinos. Erst später entwickelte er sich zum Kultfilm. Ein Werk über eine Gesellschaft, die sich lieber berieseln lässt, musste sich seine Zuschauer mühsam selbst zusammensuchen. Auch das hat eine gewisse Komik.

Ich würde nicht behaupten, dass wir schon mitten in Idiocracy leben. Dafür gibt es zu viele neugierige, kluge und engagierte Menschen – auch in Amerika. Forschung, Medizin, Technik und Bildung entwickeln sich weiter. Und KI kann dabei ein großartiges Werkzeug sein, wenn wir sie entsprechend einsetzen.

Aber der Film trifft einen wunden Punkt: Wir verwechseln bequemen Zugang zu Informationen immer häufiger mit wirklichem Wissen. Wir verwechseln Lautstärke mit Argumenten. Und manchmal verwechseln wir die Antwort einer Maschine mit unserem eigenen Gedanken.

Vielleicht ist das das Beste, was Idiocracy uns mitgeben kann. Nicht der arrogante Satz, dass alle anderen immer dümmer werden. Sondern eine ziemlich einfache Gewohnheit: öfter selbst nachdenken. Auch dann, wenn ein Algorithmus die Antwort schon fertig hat.

Und falls du den Film noch nicht kennst: Schau ihn dir an. Spätestens bei den Crocs und dem Energydrink auf dem Acker weißt du, warum ich ihn so liebe.

Bildhinweis: Das Beitragsbild zeigt den Times Square als Sinnbild für die allgegenwärtige Werbung – keine Szene aus „Idiocracy“. Foto: ubeyonroad / Unsplash, Unsplash License.

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