Die Entscheidung ist gefallen: München ist Deutschlands Kandidat für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September 2026 in Baden-Baden setzte sich München im ersten Wahlgang mit 91 zu 50 Stimmen gegen KölnRheinRuhr durch.
Das Votum fiel damit deutlich klarer aus als der fachliche Vergleich im Vorfeld. In der DOSB-Evaluierung hatte München 87,03 Punkte erreicht, KölnRheinRuhr 85,02 Punkte; beide Konzepte waren als „sehr gut“ eingestuft worden. Aus einem engen Konzeptvergleich wurde am Ende eine klare Entscheidung der DOSB-Mitgliederversammlung.
München gewinnt die DOSB-Wahl gegen KölnRheinRuhr
Noch wenige Tage zuvor standen drei Konzepte im nationalen Auswahlverfahren. Am 24. September zog Berlin seine Bewerbung zurück. Damit lief die Entscheidung in Baden-Baden auf das Duell München gegen KölnRheinRuhr hinaus.
Beide Bewerbungen verfolgten unterschiedliche Ansätze: München setzt stark auf kompakte Wege, bestehende olympische Infrastruktur und den Olympiapark von 1972. KölnRheinRuhr wollte die Dichte großer vorhandener Arenen im Westen Deutschlands nutzen und möglichst vielen Menschen den Besuch der Spiele ermöglichen. Die Delegierten entschieden sich schließlich mit 91 zu 50 Stimmen für das Münchner Konzept.
Was der DOSB tatsächlich bewertet hat
Die Auswahl basierte nicht nur auf einem Gesamtwert. Bewertet wurden unter anderem die sportfachliche und operative Eignung, internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz. Die Bereiche „Vision & Legacy“ sowie „Kosten & Finanzierung“ wurden zusätzlich qualitativ geprüft. In diesen beiden Bereichen erhielten alle final bewerteten Konzepte ein positives „Grün“.
Die Evaluierung zeigte unterschiedliche Stärken: KölnRheinRuhr erreichte den besten Wert beim sogenannten Eventpotenzial, München den klaren Bestwert bei den Reisezeiten der Athletinnen und Athleten zu den Wettkampfstätten. Bei Unterbringung, Unterstützung und Stabilität lagen beide Konzepte auf einem ähnlich hohen Niveau.
| Punkt | München | KölnRheinRuhr |
|---|---|---|
| DOSB-Evaluierung | 87,03 Punkte – „sehr gut“ | 85,02 Punkte – „sehr gut“ |
| DOSB-Wahl am 26.09.2026 | 91 Stimmen – ausgewählt | 50 Stimmen – ausgeschieden |
| Besondere Stärke laut DOSB | Kurze Reisezeiten für Athletinnen und Athleten | Hohes Event- und Zuschauerpotenzial |
| Grundidee | Sehr kompakte Spiele rund um München und den Olympiapark | Großes Netz bestehender Arenen in der Rhein-Ruhr-Region |
| Rückhalt | 66,4 Prozent Zustimmung beim Bürgerentscheid 2025 | Rund zwei Drittel Zustimmung in den beteiligten Kommunen |
München: kurze Wege und das olympische Erbe von 1972
München kann mit einer Infrastruktur argumentieren, die international unmittelbar mit Olympia verbunden wird. Der Olympiapark von 1972 soll erneut eine zentrale Rolle spielen. Nach Angaben der Münchner Bewerbung befinden sich rund 90 Prozent der geplanten Sportstätten in einem Radius von 30 Kilometern.
Genau diese Kompaktheit schlägt sich auch in der DOSB-Bewertung nieder. Für Athletinnen und Athleten bedeuten kurze Wege weniger Reisezeit zwischen Dorf, Training und Wettkampf. Im Münchner Nordosten ist ein Olympisches und Paralympisches Dorf für rund 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle vorgesehen. Gleichzeitig will München die Spiele mit Stadtentwicklung und dem Konzept „zirkulärer Spiele“ verbinden.
Auch der Rückhalt in der Bevölkerung ist messbar: Beim Bürgerentscheid vom 26. Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent für eine Bewerbung. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent.
KölnRheinRuhr: das unterlegene Konzept mit großen Arenen und vielen Tickets
Die Bewerbung aus Nordrhein-Westfalen setzte auf ein anderes Modell. Statt möglichst viele Wettbewerbe in einer einzigen Stadt zu bündeln, wollte KölnRheinRuhr die vorhandene Sportstättenlandschaft einer ganzen Metropolregion nutzen. Köln war als „Leading City“ vorgesehen; dort sollten auch das Olympische und Paralympische Dorf sowie ein temporäres Leichtathletikstadion entstehen.
Zu den auffälligsten Plänen gehörte die Umwandlung der VELTINS-Arena in Gelsenkirchen in ein Schwimmstadion für bis zu 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. In Dortmund war ein Fußballfinale vor rund 70.000 Menschen denkbar. Die Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena war für große Finals in Basketball, Handball und Volleyball mit bis zu 50.000 Plätzen vorgesehen.
Nach Angaben der Bewerbung wären insgesamt bis zu 17,6 Millionen Tickets möglich gewesen. Darin lag ein wesentlicher Unterschied zu München: KölnRheinRuhr setzte stärker auf die enorme Zuschauerkapazität bestehender Arenen und die Sporterfahrung einer Region, in der Großveranstaltungen regelmäßig stattfinden.
Was bedeutet die Entscheidung für KölnRheinRuhr und unsere Region?
Aus Sicht von Kamen und dem östlichen Ruhrgebiet ist das Ergebnis besonders spürbar: Das Konzept KölnRheinRuhr geht nicht als deutscher Bewerber in die internationale Phase. Die geplanten Wettkampfstätten in Dortmund, Gelsenkirchen, Essen und Düsseldorf sind damit zunächst nicht Teil der ausgewählten deutschen Olympiabewerbung.
Das NRW-Konzept bleibt dennoch ein wichtiger Teil der Vorgeschichte dieser Bewerbung. Unmittelbar nach der Entscheidung kündigten Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst an, die nun ausgewählte Münchner Bewerbung zu unterstützen. Aus dem nationalen Wettbewerb soll damit eine gemeinsame deutsche Bewerbung werden.
So fiel die Entscheidung in Baden-Baden aus
- Die Entscheidung fiel im ersten Wahlgang der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung im Kurhaus Baden-Baden.
- München erhielt 91 Stimmen.
- KölnRheinRuhr erhielt 50 Stimmen.
- Damit wurden insgesamt 141 Stimmen abgegeben.
- Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügten über zusammen 126 Stimmen, das DOSB-Präsidium über zehn Stimmen und fünf anwesende persönliche Mitglieder über jeweils eine Stimme.
- Drei persönliche DOSB-Mitglieder waren nicht anwesend und konnten daher nicht abstimmen.
Die fachliche Evaluierung hatte München und KölnRheinRuhr zuvor nur rund zwei Punkte getrennt. Die Mitgliederversammlung war daran jedoch nicht gebunden – und entschied sich am Ende deutlich für München.
Wie geht es jetzt weiter? Die internationale Bewerbung beginnt erst
Mit der Wahl Münchens ist Olympia noch lange nicht nach Deutschland geholt. Der nationale Auswahlprozess ist beendet, nun beginnt für München und den DOSB die internationale Phase. Der DOSB befindet sich seit November 2025 mit dem Internationalen Olympischen Komitee im sogenannten Continuous Dialogue. Im März 2027 soll für die Vergabe 2036 erstmals die strategische Dialogphase beginnen. Ende 2028 ist der Übergang in den Targeted Dialogue mit einem oder mehreren Bewerbern vorgesehen.
Die Entscheidung über den Gastgeber der Spiele 2036 soll nach aktuellem DOSB-Zeitplan im Sommer 2029 fallen. Für 2040 und 2044 gelten entsprechend spätere internationale Entscheidungen.
Klare Wahl nach engem Konzeptvergleich
Vor der Abstimmung lagen München und KölnRheinRuhr fachlich eng zusammen, unterschieden sich aber deutlich in ihrer Grundidee. München steht für kurze Wege und einen kompakten olympischen Kern rund um den Olympiapark. KölnRheinRuhr setzte auf die Größe und Vielfalt einer ganzen Region, sehr hohe Zuschauerkapazitäten und viele bereits vorhandene Arenen.
Das Ergebnis von 91 zu 50 Stimmen macht nun klar, mit welchem Modell Deutschland in die nächste Runde geht: München. Ob daraus tatsächlich Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland werden, entscheidet sich jedoch erst im internationalen Verfahren des IOC.
Beitragsbild: Offizielles Pressefoto der Olympiabewerbung München. Foto: Tobias Hase / RBS; Quelle: Olympiabewerbung München – Pressebereich.


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