Deutschland hat den ersten Sieg unter Bundestrainer Jürgen Klopp eingefahren. Gegen Serbien gewann die DFB-Elf am Donnerstagabend in München hochverdient mit 2:0. Tom Bischof traf kurz vor der Pause, Florian Wirtz legte in der zweiten Halbzeit nach. Vor allem die Art des Auftritts war deutlich überzeugender als beim 0:1 gegen Griechenland: mehr Tempo, mehr Tiefe, aggressiveres Gegenpressing – und über lange Phasen fast Einbahnstraßenfußball.
Nach dem 1:1 in den Niederlanden und der 0:1-Niederlage gegen Griechenland stand Deutschland im dritten Nations-League-Spiel bereits unter Druck. Diesmal ließ die Mannschaft von Beginn an kaum Zweifel daran, wer das Spiel bestimmen wollte. Schon zur Pause sprach die Statistik eine ungewöhnlich klare Sprache: 16:0 Torschüsse für Deutschland.
Das Spiel in Kürze
- Endstand: Deutschland – Serbien 2:0
- Tore: 1:0 Tom Bischof (39.), 2:0 Florian Wirtz (61.)
- Wettbewerb: UEFA Nations League, Liga A, Gruppe 2
- Spielort: Allianz Arena in München
- Zuschauer: 68.121
- Besonderheit: erster Sieg von Jürgen Klopp als Bundestrainer
- Historischer Moment: Mika Baur wurde als 1000. deutscher Nationalspieler eingewechselt
Klopp tauscht die komplette Startelf aus
Nach der Niederlage gegen Griechenland änderte Klopp seine Mannschaft radikal. Gegen Serbien standen elf andere Spieler in der Startformation. Im Tor gab Jonas Urbig sein Debüt, auch Derry Scherhant lief erstmals für die A-Nationalmannschaft auf. Dazu bekamen unter anderem Tom Bischof, Philipp Treu, Aleksandar Pavlović und Nick Woltemade ihre Chance.
Die deutsche Startelf lautete: Urbig – Treu, Thiaw, Anton, Mittelstädt – Pavlović, Bischof – Wirtz, Gnabry, Scherhant – Woltemade. Auf dem Papier wirkte das wie eine Testelf. Auf dem Platz wirkte es erstaunlich schnell wie eine Mannschaft, die genau wusste, was sie tun wollte.
Deutschland startet mit Tempo und Druck
Schon in den ersten Minuten war der Unterschied zum Griechenland-Spiel deutlich. Deutschland ließ den Ball schneller laufen, spielte häufiger vertikal und rückte nach Ballverlusten sofort nach. Serbien wurde tief in die eigene Hälfte gedrängt und kam kaum zu längeren Ballbesitzphasen.
Aleksandar Pavlović setzte nach acht Minuten den ersten Warnschuss knapp neben das Tor. Kurz darauf kam Nick Woltemade nach einem Steckpass von Bischof in eine gute Position, wenig später versuchte es Waldemar Anton nach einer Ecke. Auch Serge Gnabry hatte mehrere Möglichkeiten. Besonders seine Chance in der 30. Minute hätte bereits die Führung bringen können, doch Torhüter Đorđe Petrović parierte stark.
Serbien verteidigte mit vielen Spielern hinter dem Ball und wartete auf Fehler. Einmal wäre dieser Plan beinahe aufgegangen: Nach einem schnellen Angriff über Filip Kostić rutschte Kosta Nedeljković am langen Pfosten nur knapp an einer Hereingabe vorbei. Es war einer der wenigen Momente, in denen die deutsche Restverteidigung nicht sauber stand.
Bischof belohnt die deutsche Überlegenheit
Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto erstaunlicher wurde, dass es noch 0:0 stand. Deutschland kombinierte sich regelmäßig in und an den serbischen Strafraum, ließ aber zu viele Chancen liegen. Florian Wirtz scheiterte per Kopf, Gnabry schoss zu zentral – und dann fiel in der 39. Minute endlich das hochverdiente 1:0.
Wirtz dribbelte sich in den Strafraum und traf mit der Fußspitze zunächst nur den Pfosten. Der Abpraller landete direkt vor Tom Bischof, der aus kurzer Distanz unter die Latte abschloss. Für den Bayern-Mittelfeldspieler war es sein erstes Tor in der A-Nationalmannschaft.
Die Führung passte zum Spiel. Deutschland hatte Serbien fast vollständig im Griff und ging mit einer extrem deutlichen Bilanz von 16:0 Torschüssen in die Pause. Dass es nur 1:0 stand, war eher ein Hinweis auf die Chancenverwertung als auf ein ausgeglichenes Spiel.
Wirtz übernimmt die Binde – und trifft zum 2:0
Zur Pause brachte Klopp Said El Mala für Serge Gnabry. Damit feierte der Kölner sein Debüt und wurde zum 999. Spieler in der Geschichte der deutschen A-Nationalmannschaft. Die Kapitänsbinde ging an Florian Wirtz.
Am Spielbild änderte sich zunächst wenig. Deutschland blieb dominant, Serbien fand kaum Entlastung. In der 59. Minute hätte Woltemade bereits auf 2:0 stellen müssen, setzte den Ball aus kürzester Distanz aber über das leere Tor.
Zwei Minuten später fiel der zweite Treffer trotzdem. Maximilian Mittelstädt trieb den Ball durch das Mittelfeld nach vorne und bediente Wirtz. Der setzte aus rund zwölf Metern zum Abschluss an und erwischte Petrović auf dem falschen Fuß. 2:0 in der 61. Minute – und damit war die Partie praktisch entschieden.
Serbien reagiert spät – Urbig bleibt aufmerksam
Serbiens Trainer Veljko Paunović reagierte danach mit mehreren Wechseln gleichzeitig. Für einige Minuten wurden die Gäste etwas mutiger. Die gefährlichste Szene hatte Strahinja Pavlović kurz nach seiner Einwechslung, als er eine Freistoßflanke aus spitzem Winkel auf das Tor brachte. Jonas Urbig reagierte stark und verhinderte den Anschlusstreffer.
Viel mehr ließ Deutschland nicht zu. Das war ebenfalls ein Unterschied zu den ersten beiden Spielen unter Klopp: Die Mannschaft blieb nach der Führung aktiv, ohne die Kontrolle zu verlieren. In der Schlussphase war sogar noch das 3:0 möglich. Malick Thiaw scheiterte mit einem Kopfball an Petrović, auch Bambasé Conté kam noch zum Abschluss.
Fünf Debüts – und ein historischer 1000. Nationalspieler
Neben dem Ergebnis schrieb dieser Abend auch personell Geschichte. Jonas Urbig und Derry Scherhant waren die Nationalspieler Nummer 997 und 998. Said El Mala folgte als Nummer 999. In der 77. Minute kam Mika Baur ins Spiel – und wurde damit zum 1000. Spieler, der für die deutsche A-Nationalmannschaft eingesetzt wurde. Kurz vor Schluss debütierte zusätzlich Vitaly Janelt als Nummer 1001.
Dieser extreme personelle Umbruch ist Teil von Klopps aktueller Kaderphase. Der Bundestrainer testet nicht nur einzelne Spieler, sondern unterschiedliche Profile und komplette Kombinationen. Gegen Serbien funktionierte das erstaunlich gut, weil die Mannschaft trotz vieler neuer Gesichter geschlossen wirkte.
Was diesmal deutlich besser funktionierte
Der größte Unterschied zum Griechenland-Spiel war die Bewegung. Deutschland spielte nicht nur um den gegnerischen Block herum, sondern suchte konsequent den Raum dahinter. Die Außenverteidiger schoben nach, Wirtz bewegte sich frei zwischen den Linien und Bischof sowie Pavlović sorgten dafür, dass zweite Bälle schnell wieder bei Deutschland landeten.
- Mehr Tiefe: Deutschland spielte häufiger hinter die serbische Mittelfeld- und Abwehrreihe.
- Schnelleres Passspiel: Der Ball lief mit weniger Kontakten durch das Zentrum.
- Konsequentes Gegenpressing: Nach Ballverlusten wurde Serbien sofort unter Druck gesetzt.
- Mehr Abschlüsse: Schon in der ersten Halbzeit kam Deutschland auf 16 Torschüsse.
- Bessere Restverteidigung: Serbien bekam nur sehr wenige Konterchancen.
Natürlich gehört zur Einordnung auch, dass Serbien an diesem Abend offensiv sehr wenig anbot. Die Mannschaft stand tief, verlor den Ball häufig schnell wieder und konnte Deutschland nur selten unter Druck setzen. Der Auftritt der DFB-Elf war deshalb überzeugend – aber die eigentliche Bewährungsprobe kommt bereits wenige Tage später.
Die Tabelle nach dem 3. Spieltag
Parallel zum deutschen Sieg trennten sich Griechenland und die Niederlande 2:2. Damit bleibt die Gruppe eng. Deutschland hat den Abstand nach oben deutlich verkürzt.
| Platz | Team | Spiele | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1. | Griechenland | 3 | 5:3 | 7 |
| 2. | Niederlande | 3 | 5:4 | 5 |
| 3. | Deutschland | 3 | 3:2 | 4 |
| 4. | Serbien | 3 | 2:6 | 0 |
Deutschland ist damit nach drei Spielen wieder mitten im Rennen. Der Rückstand auf Tabellenführer Griechenland beträgt nur noch drei Punkte, auf die Niederlande sogar nur einen Zähler.
Am Sonntag wartet sofort die Revanche gegen Griechenland
Viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Bereits am Sonntag, 4. Oktober, um 20.45 Uhr spielt Deutschland in Thessaloniki gegen Griechenland. Das Hinspiel ging erst wenige Tage zuvor mit 0:1 verloren. Für Klopp ist das deshalb eine besonders interessante Aufgabe: Seine Mannschaft bekommt sofort die Gelegenheit zu zeigen, ob sie aus genau diesem Spiel gelernt hat.
Gegen Serbien funktionierten Tempo, Gegenpressing und vertikale Läufe deutlich besser. Griechenland wird Deutschland wahrscheinlich wieder anders fordern: kompakter, geduldiger und mit mehr Gefahr im Umschalten. Genau dort wird sich zeigen, ob der überzeugende Münchner Abend bereits ein echter Entwicklungsschritt war oder zunächst vor allem ein sehr gutes einzelnes Spiel.
Mein Fazit: Der erste Sieg fühlt sich auch nach Fortschritt an
Das 2:0 gegen Serbien war mehr als nur der erste Dreier unter Jürgen Klopp. Zum ersten Mal über weite Strecken war klar zu erkennen, wie diese Nationalmannschaft unter ihm spielen soll: aggressiv nach vorne, schnell nach Ballgewinnen, mutig mit vielen jungen Spielern und mit sofortigem Druck nach Ballverlusten.
Man sollte den Sieg trotzdem nicht größer machen, als er ist. Serbien war offensiv schwach und ließ Deutschland sehr viel Kontrolle. Aber nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Griechenland war genau so eine Reaktion wichtig. Und dass ausgerechnet Bischof und Wirtz die Tore erzielten, passt zu einem Abend, an dem die jüngere Generation viele Argumente lieferte.
Jetzt wird spannend, ob Deutschland dieses Niveau auch dann halten kann, wenn der Gegner weniger Räume anbietet und stärker dagegenhält. Die nächste Antwort gibt es schon am Sonntag in Griechenland.

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