Stand: 4. November 2026, 15 Uhr (MEZ). Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress stehen nach den Projektionen führender Nachrichtenagenturen fest. Einzelne Wahlkreise sind weiterhin nicht endgültig ausgezählt; die abschließende amtliche Sitzverteilung folgt später.
Jetzt ist die entscheidende Frage der US-Zwischenwahlen beantwortet: Die Demokraten haben nicht nur den Senat, sondern auch das Repräsentantenhaus gewonnen. Damit verliert die Republikanische Partei ihre bisherigen Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Für Donald Trump bedeutet das, dass er in den letzten zwei Jahren seiner Präsidentschaft mit einer ganz anderen Machtverteilung in Washington umgehen muss.
Dass die Demokraten Boden gutmachen könnten, hatten die Umfragen vor der Wahl angedeutet. Wie weit ihre Gewinne reichen würden, war aber keineswegs sicher. Nun melden sowohl die Nachrichtenagenturen Associated Press als auch Reuters: Die Mehrheiten in beiden Kammern sind entschieden.
Beide Kammern demokratisch – aber noch nicht jeder Sitz ausgezählt
Im Senat stehen nach der bisher veröffentlichten Auszählung mindestens 54 Sitze aufseiten des demokratischen Lagers, wobei zwei unabhängige Senatoren mitgerechnet sind, die mit den Demokraten zusammenarbeiten. Für die Mehrheit reichen 51 der insgesamt 100 Sitze. Nach dem am 4. November veröffentlichten Stand der Guardian-Ergebnisübersicht waren 44 Sitze den Republikanern zugeordnet und zwei Rennen noch nicht entschieden.
Im Repräsentantenhaus liegt das demokratische Lager ebenfalls sicher über der Mehrheitsschwelle von 218 Sitzen. Zum genannten Auszählungsstand wurden mindestens 228 Mandate den Demokraten und 139 den Republikanern zugerechnet; 68 Wahlkreise waren noch offen. Das sind ausdrücklich keine amtlichen Endzahlen. Aber die Frage, wer die Kammer künftig kontrolliert, lässt sich damit bereits beantworten.
Die Amerikaner haben am 3. November alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu gewählt. Im Senat standen 33 reguläre Sitze und zwei Sonderwahlen an. Der neu gewählte Kongress tritt am 3. Januar 2027 zusammen. Erst dann gelten die neuen Mehrheitsverhältnisse für die parlamentarische Arbeit.
Die Gewinne gehen weit über die üblichen umkämpften Staaten hinaus
Besonders auffällig ist, wo die Demokraten Senatssitze hinzugewonnen haben: in North Carolina, South Carolina, Texas, Ohio, Kansas, Iowa und Maine. Damit gelang ihnen nach den bisherigen Meldungen ein Zugewinn von mindestens sieben Sitzen. Mehrere dieser Staaten gelten seit Jahren als schwieriges Gelände für demokratische Kandidaten.
In North Carolina setzte sich der frühere Gouverneur Roy Cooper durch. In Ohio gewann Sherrod Brown die Senatswahl, in Texas James Talarico und in Iowa Josh Turek. Auch in South Carolina und Kansas gelang den Demokraten ein Wechsel des bisher republikanisch gehaltenen Senatssitzes. In Maine räumte die republikanische Senatorin Susan Collins ihre Niederlage ein. ABC Australia veröffentlicht die Ergebnisse auf Basis von Daten der Associated Press.
Im Repräsentantenhaus wechselten laut Associated Press mehr als zwei Dutzend bislang republikanische Wahlkreise zur demokratischen Seite. Und auch bei den Gouverneurswahlen gab es bemerkenswerte Erfolge, etwa in Texas und Georgia. Die Wahl war damit keine einzelne regionale Überraschung, sondern eine landesweit spürbare Verschiebung.
Warum so viele Wähler einen anderen Kurs wollten
Eine Rolle spielte offenbar der ganz normale Alltag. Lebensmittel, Wohnen, Energie, Gesundheitsversorgung: Wenn das Geld knapp wird, interessiert die Menschen zuerst, ob sich ihr Leben verbessert. Reuters und Associated Press nennen steigende Lebenshaltungskosten, Unzufriedenheit mit der Regierung, die Folgen der Zollpolitik und den Krieg mit Iran als wichtige Themen dieser Wahl.
Hinzu kam der Wunsch nach einer stärkeren Kontrolle des Präsidenten. Nach von Associated Press berichteten Nachwahlbefragungen sprachen sich ungefähr sieben von zehn Befragten dafür aus, dass der Kongress gegenüber dem Weißen Haus eine stärkere Kontrollfunktion wahrnimmt. Das ist keine Abstimmung darüber, ob jeder einzelne Wähler dieselben politischen Vorstellungen hat. Es erklärt aber, warum das Verhältnis zwischen Präsident und Parlament für viele diesmal eine besondere Rolle spielte.
Was Trump jetzt noch kann – und was schwieriger wird
Dass die Demokraten beide Kammern gewinnen, bedeutet nicht, dass Donald Trump sein Amt verliert. Er bleibt Präsident der Vereinigten Staaten. Auch seine Befugnisse in der Außenpolitik sowie seine Möglichkeiten, Maßnahmen auf Grundlage präsidialer Kompetenzen zu treffen, bestehen weiter. Und der Kongress kann nicht nach Belieben jede Entscheidung der Regierung zurückdrehen.
Trotzdem ändert sich viel. Die Demokraten könnten neue Gesetze verhindern oder an Bedingungen knüpfen, Haushaltsverhandlungen stärker beeinflussen und parlamentarische Untersuchungen einleiten. Der Senat entscheidet außerdem mit über die Bestätigung wichtiger Regierungsmitglieder und von Bundesrichtern. Damit wächst der Druck auf das Weiße Haus, mit dem Kongress zu verhandeln.
Der Präsident kann seinerseits gegen beschlossene Gesetze ein Veto einlegen. Um ein solches Veto zu überstimmen, wären in beiden Kammern jeweils Zweidrittelmehrheiten nötig. Außerdem brauchen viele Vorhaben im Senat wegen seiner Verfahrensregeln mehr als nur 51 Stimmen, um voranzukommen. Eine demokratische Mehrheit schafft also neue Kontrollmöglichkeiten, aber keine unbegrenzte Macht.
Was die Wahl für Deutschland und Europa bedeuten könnte
Ich finde den Blick über den Atlantik fast genauso interessant wie das Ergebnis in Washington selbst. Deutschland und die USA sind wirtschaftlich, politisch und sicherheitspolitisch eng verbunden. Wenn in den Vereinigten Staaten über Zölle, Handel, Verteidigungsausgaben oder Unterstützung für die Ukraine gestritten wird, geht uns das unmittelbar etwas an.
Ein demokratischer Kongress könnte bei Haushaltsmitteln, Sanktionen und wichtigen außenpolitischen Entscheidungen andere Schwerpunkte setzen oder auf Kompromisse drängen. Daraus folgt aber nicht automatisch ein Kurswechsel des Präsidenten. Gerade bei der unmittelbaren Außenpolitik, bei diplomatischen Entscheidungen und bei manchen Handelsmaßnahmen hat das Weiße Haus weiterhin erhebliche Handlungsmöglichkeiten.

Für europäische Regierungen bedeutet das vor allem: Es gibt künftig andere Ansprechpartner und neue parlamentarische Mehrheiten in Washington, aber die grundlegenden Interessenunterschiede verschwinden nicht über Nacht. Wer auf eine Entspannung der Beziehungen hofft, muss trotzdem damit rechnen, dass über Sicherheitsfragen, Handelsregeln und die Verantwortung Europas weiter hart verhandelt wird.
Meine Hoffnung: wieder mehr Verlässlichkeit über den Atlantik
Ich wünsche mir jedenfalls, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Europa auf lange Sicht wieder verbessern. Dass man nicht bei jeder Meinungsverschiedenheit gleich mit neuen Drohungen oder Strafmaßnahmen reagiert. Und dass gemeinsame Probleme wieder stärker als gemeinsame Aufgaben verstanden werden.
Das Ergebnis der Midterms eröffnet für solche Entwicklungen möglicherweise neue politische Spielräume. Ob daraus wirklich eine verlässlichere Zusammenarbeit wird, hängt jedoch von den Entscheidungen in Washington, Berlin und Brüssel ab – nicht bloß davon, welche Partei gerade mehr Sitze hat. Auch Europa muss handlungsfähig bleiben und darf sich nicht bei jeder Krise auf die nächste amerikanische Wahl verlassen.
Die Mehrheiten sind entschieden. Der politische Alltag danach wird zeigen, was dieser Wahlausgang tatsächlich verändert. Denn das Wichtigste für eine gute Partnerschaft lässt sich nicht auszählen: Vertrauen. Und das braucht bekanntlich Zeit.
Quellen und Hinweis zu den Sitzständen
Die Angaben beruhen auf den Meldungen und Ergebnistabellen vom 4. November 2026: Associated Press: Kontrolle beider Kongresskammern, Reuters: Wahlausgang und politische Folgen, The Guardian: fortlaufend aktualisierte Sitzverteilung und Deutsche Welle: Wahlergebnisse und Einordnung. Die Feststellung der Mehrheiten ist von den abschließenden amtlichen Ergebnissen in noch nicht ausgezählten Wahlkreisen zu unterscheiden.

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