DFB-Pokal: Sabitzer rettet den BVB gegen Bremen – nach einer wilden zweiten Halbzeit

Blick ins Dortmunder Westfalenstadion, Heimat von Borussia Dortmund – älteres Stadionfoto, keine Aufnahme vom Frankfurt-Spiel

2:0 geführt, das Spiel scheinbar im Griff – und dann steht es plötzlich wieder 2:2. Wer Borussia Dortmund in dieser Saison verfolgt, dem dürfte dieses Drehbuch inzwischen unangenehm bekannt vorkommen. Gegen Werder Bremen drohte am Dienstagabend im DFB-Pokal genau das, was man sich als BVB-Fan am wenigsten wünscht: ein unnötiges Aus nach einer richtig starken Anfangsphase. Doch in der dritten Minute der Nachspielzeit trat Marcel Sabitzer zum Freistoß an. Ein Schuss, 3:2, Achtelfinale. Gerade noch einmal gut gegangen.

Die zweite Runde des DFB-Pokals 2026/27 hat am 27. Oktober acht Achtelfinalisten hervorgebracht. Für Dortmund war es ein Spiel mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern. Und während Schwarzgelb jubeln darf, lohnt es sich durchaus, genauer hinzuschauen. Denn dass am Ende gewonnen wurde, darf die Probleme dazwischen nicht zudecken.

17 Minuten, in denen der BVB Werder überrollte

Borussia Dortmund begann vor 81.365 Zuschauern im Signal Iduna Park mit enormem Druck. Bereits in der 6. Minute drückte Serhou Guirassy eine Vorarbeit von Julian Ryerson zum 1:0 über die Linie. Kaum hatte Bremen sich halbwegs sortiert, erhöhte Carney Chukwuemeka nach einer Kopfballvorlage von Jobe Bellingham auf 2:0 (17.). Der Ball schlug unter der Latte ein. Ein Start, wie man ihn sich im Pokal nur wünschen kann.

Dortmund eroberte früh die Bälle, setzte die Gäste unter Stress und hätte vor der Pause sogar noch deutlicher führen können. Guirassy vergab unter anderem eine gute Kopfballchance. Doch das 2:0 zur Halbzeit war hochverdient. Werder fand lange kaum Antworten auf das Gegenpressing der Dortmunder. Da war richtig Zug im Spiel.

Dann kam die Pause. Und mit ihr verschob sich etwas. Bremen wurde mutiger, Dortmund verlor an Selbstverständlichkeit. Die Räume waren plötzlich da, die Pässe der Gäste fanden häufiger ihr Ziel. Nico Schlotterbeck musste in einer brenzligen Situation klären; auf der anderen Seite verpasste Chukwuemeka das mögliche 3:0. Solche Momente gehen in einer reinen Ergebnisübersicht unter. Für den Spielverlauf waren sie entscheidend.

Ausgerechnet Füllkrug bringt die alte Unruhe zurück

In der 65. Minute verwandelte Niclas Füllkrug einen Foulelfmeter zum 2:1. Der ehemalige Dortmunder war erst wenige Minuten zuvor für Bremen eingewechselt worden. In der 68. Minute traf er schon wieder – diesmal aus dem Spiel heraus, frei vor Gregor Kobel. 2:2. Innerhalb weniger Minuten war eine sicher wirkende Führung verschwunden.

Das Gemeine daran: So ähnlich hatte der BVB bereits beim 2:2 in der Bundesliga gegen Bremen eine 2:0-Führung verspielt. Natürlich sind das unterschiedliche Spiele. Trotzdem darf man fragen, warum diese Mannschaft nach einem so guten Auftakt die Kontrolle abgibt, anstatt den Gegner weiter zu beschäftigen. Die Qualität ist da, keine Frage. Aber die Schwankungen innerhalb von neunzig Minuten sind für einen Klub mit Dortmunder Ansprüchen schlicht zu groß.

Werder hatte nach dem Ausgleich weitere gefährliche Situationen und hätte das Spiel sogar komplett drehen können. Der BVB schaffte es lange nicht, wieder an die Wucht aus den ersten zwanzig Minuten anzuknüpfen. Und dann kam Sabitzer.

Sabitzers Freistoß rettet mehr als nur das Ergebnis

Der Österreicher war in der 71. Minute eingewechselt worden. In der 90.+3 Minute nahm er sich den Ball für einen Freistoß von halblinks und verwandelte direkt zum 3:2. Das Stadion explodierte, Bremen blieb kaum noch Zeit. Dortmund steht im Achtelfinale. Mehr Drama muss ein Pokalabend nicht unbedingt haben.

Ich finde, man darf sich über solch einen Sieg ruhig kräftig freuen. Genau dafür gibt es diesen Wettbewerb: späte Treffer, nervöse Minuten und Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Nur sollte man den Jubel nicht mit einer perfekten Leistung verwechseln. Eine Mannschaft, die einen Gegner fast eine Halbzeit lang so deutlich beherrscht, muss lernen, diese Überlegenheit besser zu verwalten, ohne dabei aufhören zu wollen, Fußball zu spielen.

Dass sich der BVB diesmal nicht wie bei früheren Pokalduellen gegen Werder verabschieden musste, ist immerhin ein gutes Zeichen. Die letzten drei Pokalbegegnungen mit Bremen hatte Dortmund verloren. Besonders das 3:2-Aus im Achtelfinale 2020 ist vielen noch in Erinnerung. Nun wurde es wieder ein 3:2 – diesmal für Schwarzgelb. Und bei allem Ärger über die verspielte Führung ist das der wichtigste Unterschied.

Schwarzgelbe BVB-Fansticker in Dortmund als Symbol für die Treue der Fans
Schwarzgelb bleibt schwarzgelb: Symbolfoto aus Dortmund, keine Aufnahme vom Pokalspiel gegen Bremen. Foto: Chris Hahn / Unsplash.

Auch anderswo gab es im Pokal reichlich Gesprächsstoff

Der Dienstag hatte mehr zu bieten als die Dortmunder Nervenschlacht. Besonders deutlich setzte sich der 1. FC Köln durch: 5:0 gegen Union Berlin. Bei Borussia Mönchengladbach wurde es ungewöhnlich, weil die Fohlen trotz einer Roten Karte und langer Unterzahl mit 2:0 gegen Karlsruhe gewannen. Und zwei Bundesligisten mussten schon die Segel streichen: Mainz verlor in Bochum, Elversberg zu Hause gegen Darmstadt.

Alle Ergebnisse vom Dienstag, 27. Oktober 2026

  • SG Sonnenhof Großaspach – FC Augsburg 2:4
  • Rot-Weiss Essen – RB Leipzig 1:2
  • VfL Bochum – 1. FSV Mainz 05 2:0
  • Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 1:3
  • 1. FC Köln – Union Berlin 5:0
  • Borussia Dortmund – Werder Bremen 3:2
  • Borussia Mönchengladbach – Karlsruher SC 2:0
  • SV Elversberg – SV Darmstadt 98 0:2

Beim 2:0 von Darmstadt in Elversberg war das Ergebnis besonders bemerkenswert: Der Bundesligist kam immer wieder zum Abschluss, doch Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen hielt seinen Kasten sauber. Der Außenseiter nutzte seine wenigen Möglichkeiten konsequent. Auch Bochums 2:0 gegen Mainz zeigt, dass die Ligazugehörigkeit im Pokal eben nicht alles entscheidet. Augsburg wiederum musste beim 4:2 gegen Großaspach arbeiten, Leipzig gewann knapp 2:1 bei Rot-Weiss Essen und Frankfurt setzte sich mit 3:1 beim HSV durch.

Acht Spiele fehlen noch – Bayern, Schalke und der Titelverteidiger sind gefordert

Die zweite Runde ist am Mittwochmorgen, 28. Oktober, noch nicht abgeschlossen. Am Abend stehen acht weitere Partien an. Um 18 Uhr treffen SSV Jeddeloh II und Hertha BSC, Dynamo Dresden und Schalke 04, Paderborn und Stuttgart sowie Freiburg und Wolfsburg aufeinander. Für Schalke wird es in Dresden ein unangenehmes Auswärtsspiel, während Regionalligist Jeddeloh gegen Hertha auf den großen Pokalmoment hofft.

Um 20.45 Uhr folgen Holstein Kiel gegen Hoffenheim, Hannover 96 gegen Kaiserslautern, Leverkusen gegen Nürnberg und Bayern München gegen Magdeburg. Gerade die letzte Begegnung hat einen schönen Pokal-Hintergrund: Im Jahr 2000 warf der 1. FC Magdeburg die Bayern im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb. Ob sich Geschichte wiederholt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Die Favoritenrolle allein schießt jedenfalls keine Tore.

Für Dortmund zählt jetzt, was nach dem Jubel übrig bleibt

Das Achtelfinale ist für den 1. und 2. Dezember 2026 angesetzt. Wer dort auf den BVB wartet, entscheidet erst die Auslosung nach Abschluss der zweiten Runde. Und ehe sich Dortmund wieder mit dem Pokal beschäftigen kann, steht am Samstag, 31. Oktober, das Bundesliga-Auswärtsspiel beim FC Bayern an. Anstoß in München ist um 18.30 Uhr.

Gerade mit Blick auf München wirkt der Pokalabend wie eine Mischung aus Mutmacher und Warnsignal. Mut macht, wie überlegen der BVB zu Beginn sein kann – und dass ein Einwechselspieler wie Sabitzer ein solches Spiel spät entscheidet. Warnen muss dagegen, wie schnell die Ordnung nach einem Gegentor verloren gehen kann. Gegen Bayern dürfte es noch schwerer werden, eine gute Anfangsphase einfach so wiederzufinden.

Unterm Strich: Der BVB ist weiter. Das zählt im Pokal, und es fühlt sich nach diesem Freistoß vermutlich besonders gut an. Trotzdem hätte man sich die Zitterpartie sparen können. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus einem Abend, der erst nach einer klaren Sache aussah und am Ende wirklich alles hatte.

Stand: Mittwoch, 28. Oktober 2026, vormittags. Die Mittwochsspiele sind in dieser Übersicht noch nicht entschieden. Spiel- und Ergebnisquellen: offizieller BVB-Spielbericht, DFB-Nachbericht, DFB-Datencenter. Weitere BVB-Gedanken aus dem Blog: Bremen und das 2:2 in der Liga. Beitragsbild: älteres Stadionfoto von IFP2016 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, verkleinert; keine Aufnahme vom Pokalspiel. Originalbild.

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